Private Bildung in Deutschland – Luxusgut oder kluges Investment?

veröffentlicht am: 01.01.17 - 08:00 Uhr

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Die Preisspanne für Bildungsangebote ist beeindruckend. Der Wert und der Nutzen sind jedoch ungewiss.

Bildung in Deutschland ist käuflich. Das Angebot reicht von der frühkindlichen, mehrsprachigen Kindertagesstätte bis zum Executive-MBA-Programm. In einem Land, das seinen Bürgern per Grundgesetz eine kostenlose Schulausbildung mit anschließendem Hochschulstudium garantiert, mag das verwunderlich klingen. Es dürfte demzufolge gar keinen Markt für kostenpflichtige Bildungsangebote geben.
Und wenn Bildung in Deutschland käuflich ist, wie können die Abschlüsse dieser Programme noch unabhängig die Leistung der Teilnehmer bescheinigen, ohne durch deren Zahlung beeinflusst zu sein? Demnach wäre es fatal, wenn Bildung in Deutschland käuflich wäre!

Doch was ist ein Bildungsprogramm eigentlich? Ist es ein Produkt oder eine Dienstleistung?
Noch viel wichtiger erscheint in diesem Zusammenhang die Frage: Was kann der Kunde / Verbraucher für sein eingesetztes Geld erwarten?
Es ist schwer vorstellbar, dass beispielsweise eine private bilinguale Grundschule den zahlenden Eltern garantiert, dass das Kind nach zwei Jahren fließend und fehlerfrei zwei Sprachen beherrscht. Was passiert, wenn das Ziel nicht erreicht wird? Bleibt das Kind dann so lange auf der Schule, bis die Sprachen einwandfrei beherrscht werden?
Auch steht nicht von Anfang an fest, dass ein Teilnehmer an einem Studienprogramm einer privaten Hochschuleinrichtung einen akademischen Grad erhält. Wäre dies garantiert, so wäre ein Abschluss käuflich und somit keine Referenzgröße für akademische Leistung, die unter vergleichbaren Bedingungen erbracht wurden. Demnach ist das Resultat eines privaten Bildungsangebots offen.
Daraus lässt sich schließen, dass ein Bildungsangebot eine Art Dienstleistung ist, die den Kunden in die Lage versetzen soll, in Abhängigkeit von seinen Fähigkeiten und seinem persönlichen Einsatz ein vorher definiertes Bildungsziel zu erreichen und mit einem Abschluss zu belegen. Dieser Abschluss wird von dem Bildungsanbieter selbst oder einer Partnereinrichtung vergeben. Dies ist abhängig von der Art und dem Grad der staatlichen und oder internationalen Anerkennung des Abschlusses.

Nach Aussage des Wissenschaftsrates liegt die Preisspanne für ein Masterstudium zwischen 200 und 4170 Euro monatlich, was bei einer Studiendauer von 24 Monaten die Bandbreite von 4800 und 100.080 Euro darstellt. Dass es sicherlich Freude bereitet, ein Studium für 100.000 Euro zu absolvieren, ist leicht vorstellbar – wie diese Summe anschließend durch den Abschluss wieder erwirtschaftet werden soll, umso schwieriger.